Integration und spezielle Anwendungen
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Umfang: 16 Ausbildungseinheiten à 45 Minuten (12 Zeitstunden)
Das abschließende B-Seminar führt die zuvor erworbenen hypnotherapeutischen Kenntnisse und Fertigkeiten zusammen. Im Mittelpunkt stehen eine begründete Fallkonzeption und die Entwicklung eines flexiblen, individuell passenden Behandlungsplans. Die Teilnehmer*innen vergleichen unterschiedliche Induktionen und Interventionsformen und entscheiden anhand von Ziel, Beziehung, klinischem Kontext, Evidenz und Sicherheit über deren Anwendung oder bewusste Nichtanwendung. Anhand komplexerer Fallvignetten wird die Integration von Hypnotherapie in psychotherapeutische und medizinische Arbeitsweisen erprobt. Berücksichtigt werden auch Nichtansprechen, Ambivalenz, unerwartete Reaktionen und mögliche Verschlechterungen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der kontinuierlichen Überprüfung von Verlauf, Wirkung und Nebenwirkungen. Praktische Übungen behandeln Abschlussinterventionen, Selbsthypnose, Transfer und Rückfallprophylaxe. Abschließend reflektieren die Teilnehmer*innen ihre eigenen Kompetenzgrenzen und die weitere Arbeit unter Supervision.
Ausführliche Seminarbeschreibung
Inhalt⌄
Das Abschlussseminar führt die in B1 bis B7 erworbenen Kompetenzen zu einer hypnotherapeutischen Fallkonzeption und Behandlungsplanung zusammen. Es werden keine möglichst vielen neuen Techniken eingeführt. Im Zentrum steht die Fähigkeit, aus Auftrag, Zielen, Symptomfunktion, Ressourcen, Beziehung, emotionaler und körperlicher Prozessorganisation, Kontext, Risiken und vorhandener Grundmethode ein begründetes, flexibles Vorgehen zu entwickeln.
Die Teilnehmer*innen vergleichen direkte und indirekte Verfahren, assoziative und dissoziative Interventionen, klassische und naturalistische Induktionen, ressourcenorientierte, zeitbezogene, symbolische, strategische und metaphorische Methoden. Auswahlentscheidungen werden nicht an bevorzugten Techniken der Therapeut*innen, sondern an Person, Ziel, Setting, Beziehung, Evidenz, Sicherheit und beobachteter Wirkung ausgerichtet. Auch die begründete Nichtanwendung von Hypnose oder die Beschränkung auf therapeutische Kommunikation ist Teil professioneller Kompetenz.
Die Kombination von Hypnotherapie mit anderen psychotherapeutischen und medizinischen Arbeitsweisen wird anhand klinischer Fallvignetten erarbeitet. Störungsspezifische Anwendungen werden exemplarisch behandelt, ohne die vertiefenden C-Seminare zu ersetzen. Berücksichtigt werden ambulante und institutionelle Settings, Einzel- und gegebenenfalls Gruppenbezüge, unterschiedliche Grade von Stabilität sowie die Notwendigkeit interprofessioneller Zusammenarbeit. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Anpassung an Nichtansprechen, Ambivalenz, unerwartete Reaktionen und Verschlechterung.
Verlaufs- und Ergebnisevaluation werden als Bestandteil der Behandlung vermittelt. Ziele, subjektive Rückmeldungen, beobachtbare Veränderungen, mögliche Nebenwirkungen und Diskrepanzen zwischen therapeutischer und Patient*innenperspektive werden regelmäßig geprüft. Abschluss- und Transferinterventionen, Selbsthypnose, Rückfallprophylaxe und eine verantwortliche Beendigung unterstützen die Übertragung in den Alltag. Die Teilnehmer*innen klären, wann Supervision, zusätzliche Diagnostik, andere Behandlungsformen oder Weitervermittlung notwendig sind, und entwickeln persönliche nächste Lernschritte.
Zentrale Schwerpunkte
- •hypnotherapeutische Fallkonzeption und Behandlungsplanung
- •begründete Auswahl, Kombination, Anpassung und Nichtanwendung von Methoden
- •Integration in unterschiedliche psychotherapeutische und medizinische Grundansätze
- •exemplarische klient*innen- und indikationsspezifische Anwendungen
- •Umgang mit Nichtansprechen, Ambivalenz, Verschlechterung und Nebenwirkungen
- •Verlaufs- und Ergebnisevaluation
- •Abschluss, Selbsthypnose, Transfer und Rückfallprophylaxe
- •Supervision, Weitervermittlung und persönliche Kompetenzentwicklung
Lernergebnisse (Learning Outcomes)⌄
Nach Abschluss des Seminars können die Teilnehmer*innen die folgenden Kompetenzen in angeleiteten Übungen, Fallvignetten und Reflexionssequenzen zeigen:
Fachlich-kognitive Kompetenzen | Bewerten und Erschaffen
- •eine Fallvignette zu einer nachvollziehbaren hypnotherapeutischen Fallkonzeption verdichten;
- •mehrere mögliche Interventionen nach Ziel, Evidenz, Beziehung, Setting, Sicherheit und individueller Passung bewerten;
- •die Auswahl, Reihenfolge, Kombination oder Nichtanwendung hypnotherapeutischer Methoden begründen;
- •einen strukturierten, zugleich revidierbaren Behandlungsplan mit Ziel-, Prozess- und Transferkriterien entwickeln;
- •Anzeichen von Nichtansprechen, Verschlechterung oder unerwünschten Wirkungen analysieren und Konsequenzen ableiten;
- •Grenzen des B-Curriculums erkennen und den Bedarf an Supervision, C-Seminaren, Diagnostik oder Weitervermittlung benennen.
Klinisch-praktische Kompetenzen | handlungsorientiert und beobachtbar
- •einen hypnotherapeutischen Behandlungsplan zu einer komplexeren Fallvignette erstellen und präsentieren;
- •eine kurze integrative Sequenz aus Beziehungsgestaltung, Induktion, Intervention, Reorientierung und Transfer durchführen;
- •die gewählte Intervention aufgrund neuer Rückmeldungen oder Prozesssignale verändern oder beenden;
- •Ziele und Verlauf gemeinsam mit Patient*innen überprüfen und Diskrepanzen offen explorieren;
- •eine Abschluss- und Transferintervention einschließlich Selbsthypnose oder Rückfallprophylaxe entwickeln;
- •einen Fall so für Supervision aufbereiten, dass Auftrag, Hypothesen, Interventionen, Wirkung, offene Fragen und eigene Resonanz nachvollziehbar werden.
Professionell-affektive und relationale Kompetenzen | durch Werte konsistent beobachtbar handeln
- •in komplexeren Übungen konsistent transparent, responsiv, respektvoll und autonomiefördernd handeln;
- •eigene methodische Vorlieben erkennen und zugunsten der fallbezogenen Passung relativieren;
- •Nichtansprechen und Unsicherheit als Information nutzen, ohne Patient*innen oder sich selbst vorschnell abzuwerten;
- •Kritik, Rückmeldung und abweichende Patient*innenperspektiven aktiv einholen und in Entscheidungen integrieren;
- •Grenzen der eigenen Kompetenz sichtbar anerkennen und Supervision oder Weitervermittlung verantwortungsvoll einleiten;
- •professionelle Werte auch unter Zeitdruck, Komplexität und emotionaler Beteiligung beobachtbar aufrechterhalten.
Lehr- und Lerndesign⌄
Das Seminar folgt dem gemeinsamen kompetenzorientierten Grunddesign des Curriculums: Fachinput, Demonstration, angeleitete Selbsterfahrung, praktische Übung in Dyaden oder Triaden, strukturierte Beobachtung, Feedback und Transfer auf klinische Situationen. Theorie und Praxis werden fortlaufend miteinander verschränkt.
- •integrative Fallwerkstatt mit zunehmend komplexen Vignetten;
- •vergleichende Entscheidungsmatrizen für unterschiedliche hypnotherapeutische Vorgehensweisen;
- •Demonstration einer vollständigen kurzen Behandlungssequenz;
- •Simulation von Nichtansprechen, Ambivalenz oder unerwarteter Verschlechterung;
- •Entwicklung von Abschluss-, Transfer- und Selbsthypnoseelementen;
- •Vorbereitung einer strukturierten Fallvorstellung für Supervision.
Formative Kompetenzüberprüfung und Lerntransfer⌄
Die Kompetenzüberprüfung erfolgt formativ, ohne Benotung und ohne zusätzliche Abschlussprüfung. Sie dient dazu, den individuellen Lernstand sichtbar zu machen, konkrete nächste Lernschritte abzuleiten und die Teilnehmer*innen auf die Anwendung unter Supervision vorzubereiten.
- •Präsentation einer hypnotherapeutischen Fallkonzeption und eines revidierbaren Behandlungsplans;
- •beobachtete integrative Übungssequenz mit begründeter Anpassung an Feedback;
- •kollegiales Abschlussfeedback anhand der drei Kompetenzbereiche und Formulierung persönlicher nächster Lernziele.
Regelung zur Anwesenheit⌄
Für die Ausstellung einer Teilnahmebestätigung ist die Anwesenheit während des gesamten Seminars erforderlich. Eine Abwesenheit im Umfang von höchstens zwei Ausbildungseinheiten zu je 45 Minuten, insgesamt somit höchstens 90 Minuten, ist zulässig. Verspätetes Erscheinen, vorzeitiges Verlassen und vorübergehende Abwesenheiten werden zusammengerechnet und im Rahmen der Anwesenheitsdokumentation erfasst.
Bei einer darüber hinausgehenden Abwesenheit kann für das Seminar keine Teilnahmebestätigung ausgestellt werden. Eine Kompensation durch Ersatzleistungen, schriftliche Arbeiten, zusätzliche Supervision oder den nachträglichen Besuch einzelner Seminarteile ist nicht möglich. Das Seminar ist im nächsten angebotenen Curriculum vollständig zu wiederholen.
Literaturempfehlung⌄
- •Revenstorf, D., Peter, B. & Rasch, B. (Hrsg.) (2023). Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin. Manual für die Praxis (4. Aufl.). Springer. Besonders relevant: Kap. 3 Trance und Ziele der Hypnotherapie; Kap. 5 therapeutische Beziehung; Kap. 6 Ressourcen- und Zielorientierung; Kap. 7 Utilisation; Kap. 20 Selbsthypnose; Kap. 56 Wirksamkeit. Ergänzend ausgewählte störungs- und anwendungsspezifische Kapitel entsprechend dem beruflichen Tätigkeitsfeld.
- •Skript zum Seminar B8.
Konzeptionelle und fachliche Grundlagen
Die Seminarbeschreibungen wurden aus den bestehenden MEGA-Inhalten heraus weiterentwickelt. Die traditionellen Seminartitel und Kernbereiche wurden beibehalten und tlw. um Inhalte des aktuellen Standardwerks zur klinischen Hypnose ergänzt. Die Übernahme zusätzlicher Aspekte dient der fachlichen Vollständigkeit und der Kompetenzprogression; sie verändert nicht den Charakter der B1-B8-Grundausbildung und ersetzt keine vertiefenden C-Seminare oder Supervision.
- •Anderson, L. W. & Krathwohl, D. R. (Hrsg.) (2001). A Taxonomy for Learning, Teaching, and Assessing: A Revision of Bloom’s Taxonomy of Educational Objectives. Longman.
- •Biggs, J. & Tang, C. (2011). Teaching for Quality Learning at University (4. Aufl.). Open University Press.
- •Krathwohl, D. R., Bloom, B. S. & Masia, B. B. (1964). Taxonomy of Educational Objectives, Handbook II: Affective Domain. David McKay.
- •Revenstorf, D., Peter, B. & Rasch, B. (Hrsg.) (2023). Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin. Manual für die Praxis (4. Aufl.). Springer.
Seminar auf einen Blick
| Datum | 15.09.2028 – 16.09.2028 |
| Ort | Milton Erickson Gesellschaft Austria Josefstädter Straße 11/24 1080 Wien |
| Preis | EUR 380,00 – 420,00 MwSt inkl. |
| Freie Plätze | 20 |
| Anmeldeschluss | 01.09.2028 23:55 |
Seminarzeiten und Ablauf
| Datum | Zeit | Beschreibung |
|---|---|---|
| 15.09.2028 | 14:00 – 20:30 | Tag 1 -Integration und spezielle Anwendungen |
| 16.09.2028 | 09:00 – 17:30 | Tag 2 - Integration und spezielle Anwendungen |
