Nutzung von Trancephänomenen I: Dissoziation und Assoziation
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Umfang: 16 Ausbildungseinheiten à 45 Minuten (12 Zeitstunden)
Das Seminar vertieft die klinische Anwendung hypnotischer Phänomene und beschäftigt sich insbesondere mit Assoziation und Dissoziation als unterschiedlichen Formen der Erlebnisorganisation. Klassische Tranceinduktionen und Verfahren zur Vertiefung werden weiterentwickelt, wobei die subjektive Erfahrung und die therapeutische Zielsetzung wichtiger sind als eine vermeintlich einheitliche Trancetiefe. Ein Schwerpunkt liegt auf der ideomotorischen Kommunikation mit Handlevitation und Fingersignalen sowie ihren Möglichkeiten und Grenzen. Darüber hinaus lernen die Teilnehmer*innen erste Formen hypnotherapeutischer Teilearbeit kennen und erkunden unterschiedliche Selbstzustände und innere Positionen. In praktischen Übungen werden Perspektivwechsel, Ressourcenaktivierung und vereinbarte posthypnotische Aufgaben erprobt. Die sichere Gestaltung, transparente Einwilligung, individuelle Anpassung sowie die vollständige Reorientierung bei unerwarteten Reaktionen begleiten sämtliche Methoden des Seminars.
Ausführliche Seminarbeschreibung
Inhalt⌄
Das Seminar vertieft die gezielte Hervorrufung, Beobachtung und Nutzung hypnotischer Phänomene. Assoziation und Dissoziation werden als veränderbare Formen der Erlebnisorganisation verstanden, die je nach Ziel, Person und Kontext hilfreich, neutral oder belastend sein können. Die Teilnehmer*innen lernen, zwischen therapeutisch genutzter Distanzierung, fokussierter Absorption und klinisch relevanter Dissoziation zu unterscheiden und keine Trancephänomene um ihrer selbst willen zu erzeugen.
Klassische Induktionstechniken werden in kooperativer Form vertieft und um Methoden der Trancevertiefung ergänzt. Dabei wird die Vorstellung einer einheitlichen „Trancetiefe“ kritisch reflektiert. Maßgeblich sind nicht äußerliche Zeichen allein, sondern die für die therapeutische Aufgabe relevante Erlebnisqualität und die Rückmeldung der Patient*innen. Unterschiedliche hypnotische Reaktionsweisen und der Einfluss von Erwartung, Motivation, Übung und Hypnotisierbarkeit werden berücksichtigt.
Ein Schwerpunkt liegt auf ideomotorischer Kommunikation. Handlevitation, Fingersignale und andere unwillkürlich erlebte Bewegungsphänomene werden transparent vorbereitet und als Möglichkeiten zur Rückmeldung, Ressourcenaktivierung und inneren Differenzierung eingesetzt. Ideomotorische Signale werden nicht als objektive Wahrheitsdetektoren verstanden. Ihre Bedeutung wird stets im therapeutischen Kontext und gemeinsam mit den Patient*innen überprüft.
Als Einführung in die hypnotherapeutische Teilearbeit werden unterschiedliche Selbstzustände und innere Positionen erkundet. Ziel ist eine respektvolle Kontaktaufnahme und eine bessere Koordination von Bedürfnissen, Ressourcen und Schutzfunktionen, nicht die Verdinglichung innerer „Teile“. Posthypnotische Suggestionen und Aufgaben werden so gestaltet, dass sie vereinbart, realistisch, sicher und im Alltag überprüfbar sind. Selbsthypnose, sichere Unterbrechung, vollständige Reorientierung und der Umgang mit unerwarteten Reaktionen bilden verbindliche Bestandteile des Seminars.
Zentrale Schwerpunkte
- •Assoziation und Dissoziation als Formen der Erlebnisorganisation
- •klassische Induktionen und aufgabenspezifische Trancevertiefung
- •individuelle Unterschiede in hypnotischer Reaktion
- •ideomotorische Kommunikation, Handlevitation und Fingersignale
- •Einführung in hypnotherapeutische Teilearbeit
- •posthypnotische Suggestionen, Selbsthypnose und sichere Reorientierung
Lernergebnisse (Learning Outcomes)⌄
Nach Abschluss des Seminars können die Teilnehmer*innen die folgenden Kompetenzen in angeleiteten Übungen, Fallvignetten und Reflexionssequenzen zeigen:
Fachlich-kognitive Kompetenzen | Anwenden, Analysieren, beginnendes Bewerten
- •Assoziation, therapeutische Dissoziation, Absorption und klinisch problematische Dissoziation voneinander unterscheiden;
- •hypnotische Phänomene und mögliche Einflussfaktoren auf ihr Auftreten analysieren, ohne aus Einzelzeichen starre Schlussfolgerungen abzuleiten;
- •Chancen und Grenzen ideomotorischer Signale fachlich beurteilen und ihre Verwendung als Wahrheitsdetektor zurückweisen;
- •Indikationen und Risiken von Vertiefung, posthypnotischer Suggestion und einfacher Teilearbeit anhand von Fallvignetten einschätzen;
- •eine sichere Sequenz aus Vorbereitung, Induktion, Phänomennutzung, Transfer und Reorientierung planen.
Klinisch-praktische Kompetenzen | handlungsorientiert und beobachtbar
- •eine klassische Induktion durchführen und die Vertiefung an Ziel und Rückmeldung anpassen;
- •Handlevitation oder Fingersignale kooperativ anbahnen und ihre Bedeutung gemeinsam explorieren;
- •assoziative und dissoziative Perspektivwechsel in einer ressourcenorientierten Übung anleiten;
- •einen einfachen inneren Selbstzustand respektvoll ansprechen und Ressourcen beziehungsweise Schutzintentionen erkunden;
- •eine vereinbarte posthypnotische Suggestion oder Aufgabe formulieren und auf Realisierbarkeit prüfen;
- •bei unerwarteter Aktivierung das Vorgehen verlangsamen, unterbrechen und eine vollständige Reorientierung herstellen.
Professionell-affektive und relationale Kompetenzen | Wertschätzen und Werte organisieren
- •individuelle Unterschiede im Erleben und Reagieren respektieren und Leistungsdruck vermeiden;
- •die Bedeutung von Kontrolle, Wahlmöglichkeiten und jederzeitiger Unterbrechbarkeit sichtbar in das Vorgehen integrieren;
- •eigene Faszination an spektakulären Phänomenen reflektieren und dem therapeutischen Nutzen unterordnen;
- •bei Unsicherheit oder unerwarteten Reaktionen ruhig, transparent und kontaktorientiert handeln;
- •Rückmeldungen über Passung, Irritation oder Überforderung annehmen und in die weitere Gestaltung einbeziehen.
Lehr- und Lerndesign⌄
Das Seminar folgt dem gemeinsamen kompetenzorientierten Grunddesign des Curriculums: Fachinput, Demonstration, angeleitete Selbsterfahrung, praktische Übung in Dyaden oder Triaden, strukturierte Beobachtung, Feedback und Transfer auf klinische Situationen. Theorie und Praxis werden fortlaufend miteinander verschränkt.
- •Demonstrationen klassischer Induktion, Vertiefung und ideomotorischer Phänomene;
- •Triadenübungen zu Handlevitation, Fingersignalen und assoziativ-dissoziativen Perspektivwechseln;
- •Einführung in einfache Teilearbeit mit klarer sprachlicher Rahmung;
- •Übung zu posthypnotischer Aufgabe und Selbsthypnose;
- •Sicherheitssimulation: Unterbrechung, Stabilisierung und Reorientierung.
Formative Kompetenzüberprüfung und Lerntransfer⌄
Die Kompetenzüberprüfung erfolgt formativ, ohne Benotung und ohne zusätzliche Abschlussprüfung. Sie dient dazu, den individuellen Lernstand sichtbar zu machen, konkrete nächste Lernschritte abzuleiten und die Teilnehmer*innen auf die Anwendung unter Supervision vorzubereiten.
- •beobachtete Sequenz mit Induktion, ideomotorischem Element und Reorientierung;
- •Fallvignettenentscheidung zu Vertiefung, Dissoziation und posthypnotischer Aufgabe;
- •Selbst- und Peer-Reflexion zu Kontrolle, Tempo, Passung und Umgang mit unerwarteten Reaktionen.
Regelung zur Anwesenheit⌄
Für die Ausstellung einer Teilnahmebestätigung ist die Anwesenheit während des gesamten Seminars erforderlich. Eine Abwesenheit im Umfang von höchstens zwei Ausbildungseinheiten zu je 45 Minuten, insgesamt somit höchstens 90 Minuten, ist zulässig. Verspätetes Erscheinen, vorzeitiges Verlassen und vorübergehende Abwesenheiten werden zusammengerechnet und im Rahmen der Anwesenheitsdokumentation erfasst.
Bei einer darüber hinausgehenden Abwesenheit kann für das Seminar keine Teilnahmebestätigung ausgestellt werden. Eine Kompensation durch Ersatzleistungen, schriftliche Arbeiten, zusätzliche Supervision oder den nachträglichen Besuch einzelner Seminarteile ist nicht möglich. Das Seminar ist im nächsten angebotenen Curriculum vollständig zu wiederholen.
Literaturempfehlung⌄
- •Revenstorf, D., Peter, B. & Rasch, B. (Hrsg.) (2023). Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin. Manual für die Praxis (4. Aufl.). Springer. Besonders relevant: Kap. 4 hypnotische Phänomene; Kap. 9 Hypnotisierbarkeit, Suggestibilität und Trancetiefe; Kap. 11 klassische Hypnoserituale; Kap. 13 Vertiefung der Trance; Kap. 14 posthypnotische Aufgabe; Kap. 20 Selbsthypnose.
- •Skript zum Seminar B4.
Seminar auf einen Blick
| Datum | 21.01.2028 – 22.01.2028 |
| Ort | Milton Erickson Gesellschaft Austria Josefstädter Straße 11/24 1080 Wien |
| Preis | EUR 340,00 – 420,00 MwSt inkl. |
| Freie Plätze | 6 |
| Anmeldeschluss | 07.01.2028 23:55 |
Seminarzeiten und Ablauf
| Datum | Zeit | Beschreibung |
|---|---|---|
| 21.01.2028 | 14:00 – 20:30 | Tag 1 - Nutzung von Trancephänomenen I: Dissoziation und Assoziation |
| 22.01.2028 | 09:00 – 17:30 | Tag 2 - Nutzung von Trancephänomenen I: Dissoziation und Assoziation |
