Das Seminar führt in die historischen, theoretischen und klinischen Grundlagen der Hypnose und Hypnotherapie ein. Die Entwicklung von frühen hypnotischen Ritualen und klassischer Suggestivhypnose bis zur kooperativen, ressourcenorientierten Hypnotherapie nach Milton H. Erickson wird in ihren wesentlichen Linien dargestellt. Dabei werden Ericksons anthropologische Prämissen, sein konstruktivistisches und kompetenzorientiertes Menschenbild sowie die Bedeutung von Utilisation, Nichtwissen, Individualisierung und Selbstorganisation für die therapeutische Praxis erläutert.
Hypnose wird als Verfahren und hypnotische Trance als veränderte Form der Aufmerksamkeits-, Vorstellungs- und Erlebnisorganisation beschrieben. Zentrale Trancephänomene werden anhand klinischer Beispiele veranschaulicht und von Schlaf, Entspannung, Meditation, Dissoziation im psychopathologischen Sinn und alltagsnahen Absorptionszuständen unterschieden. Unterschiedliche wissenschaftliche Erklärungsmodelle, individuelle Unterschiede in Hypnotisierbarkeit und die aktuelle Evidenz zur klinischen Anwendung werden in Grundzügen behandelt.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Aufklärung, Indikationen, Kontraindikationen und Grenzen. Verbreitete Mythen zu Willenlosigkeit, Kontrollverlust, Erinnerungsgenauigkeit und Bühnenhypnose werden kritisch eingeordnet. Die Teilnehmer*innen lernen, Erwartungen transparent zu klären, Einwilligung einzuholen und eine sichere Rahmung zu gestalten. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Beobachtung von Überforderung, unerwarteten Reaktionen und der zuverlässigen Reorientierung.
Im praktischen Teil werden einfache, kooperative Tranceinduktionen erprobt. Vorstellung, Aufmerksamkeit, Sprache, Körperwahrnehmung und vorhandene Reaktionen werden für die Tranceentwicklung genutzt. Utilisation wird zunächst als Grundhaltung vermittelt: Was Patient*innen mitbringen – Sprache, Werte, Weltbild, Erwartungen, Skepsis, Körperhaltung oder spontane Reaktionen – kann respektvoll aufgegriffen und für ein passendes therapeutisches Angebot verwendet werden. Eine erste kurze Form der Selbsthypnose und der eigenständigen Reorientierung unterstützt den Transfer und das Verständnis von Hypnose als Förderung von Selbstwirksamkeit.
Zentrale Schwerpunkte
- •Geschichte, Grundmodelle und wissenschaftliche Einordnung von Hypnose
- •Erickson’sche Grundhaltung, Utilisation und Selbstorganisation
- •Trance und zentrale Trancephänomene
- •Indikationen, Kontraindikationen, Mythen, Aufklärung und Sicherheit
- •einfache kooperative Induktionen, Reorientierung und erste Selbsthypnose