Das Seminar vertieft den kooperativen und individualisierten Ansatz der Erickson’schen Hypnotherapie. Rapport wird nicht als bloße Zustimmung oder Technik verstanden, sondern als fortlaufende Abstimmung von Aufmerksamkeit, Sprache, Tempo, emotionaler Aktivierung, Körperausdruck und therapeutischem Angebot. Die therapeutische Beziehung wird dabei als wesentliche Bedingung für Sicherheit, Offenheit und die Nutzung hypnotischer Prozesse betrachtet.
Pacing und Leading werden als zirkulärer Prozess vermittelt: Zunächst werden relevante Aspekte der aktuellen Erfahrung präzise aufgegriffen; darauf aufbauend können kleine, überprüfbare Einladungen zu veränderter Aufmerksamkeit, Körperregulation, Ressourcennutzung oder Zukunftsorientierung angeboten werden. Die Teilnehmer*innen lernen, verbale und nonverbale Reaktionen zu beobachten und ihr Vorgehen an Zustimmung, Zögern, Irritation, Überforderung oder veränderte Bedürfnisse anzupassen. Auch kleinere Brüche im Rapport und Möglichkeiten ihrer transparenten Bearbeitung werden einbezogen.
Die klassischen Begriffe Repräsentationssysteme und VAKOG werden wissenschaftlich vorsichtig verwendet. Im Zentrum steht nicht die Zuordnung von Menschen zu stabilen „visuellen“, „auditiven“ oder „kinästhetischen“ Typen, sondern die Wahrnehmung visueller, auditiver, sprachlicher, körperbezogener, olfaktorischer, gustatorischer und emotionaler Ausdrucksformen als vorläufige Hinweise für individualisierte Kommunikation. Die Teilnehmer*innen üben, die Sprache und Erfahrungsorganisation der Patient*innen aufzugreifen, ohne vorschnelle Deutungen oder Typisierungen vorzunehmen.
Ressourcen werden als bereits verfügbare oder reaktivierbare Erfahrungen, Fähigkeiten, Beziehungen, Werte und Körperzustände erschlossen. Die sogenannte Ankertechnik wird als transparente, kontextgebundene Verknüpfung von Hinweisreizen mit hilfreichen Ressourcen- und Regulationszuständen vermittelt. Ziel- und Zukunftsorientierung, Lösungs-Trance-Induktionen sowie Formen ressourcenorientierter Identifikation – etwa mit einer hilfreichen Rolle, Qualität oder einem zukünftigen Selbst – erweitern das Repertoire. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Utilisation und Transformation von Symptomen sowie der Übergang von der Problemtrance zur Lösungstrance. Dabei werden symptombezogene Erfahrungen als Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Perspektiven und Ressourcen genutzt. Im Vordergrund stehen die kooperative Gestaltung des Veränderungsprozesses und ein individualisiertes, responsives Vorgehen.
Zentrale Schwerpunkte
- •Rapport als kooperative, fortlaufende Abstimmung
- •Pacing und Leading in verbaler und nonverbaler Kommunikation
- •wissenschaftlich vorsichtige Nutzung von VAKOG und Repräsentationshinweisen
- •Ressourcenaktivierung, Lösungs-Trance und Zukunftsorientierung
- •Utilisation und Transformation von Symptomen; Übergang von der Problemtrance zur Lösungstrance
- •Ankern als kontextgebundene Ressourcenverknüpfung
- •Umgang mit Irritationen und kleinen Brüchen im Rapport