Einführung in die Klinische Hypnose / Hypnotherapie
Seminarleitung: Mag. Stefan Wiesel, BSc. MSc.
Umfang: 16 Ausbildungseinheiten à 45 Minuten (12 Zeitstunden)
Das Seminar führt in die historischen, theoretischen und klinischen Grundlagen der Hypnose und Hypnotherapie ein. Es zeichnet die Entwicklung von frühen hypnotischen Ritualen und klassischer Suggestivhypnose bis zur kooperativen, ressourcenorientierten Hypnotherapie nach Milton H. Erickson nach. Im Mittelpunkt stehen die Erickson’sche Grundhaltung, Utilisation, Individualisierung und Selbstorganisation sowie grundlegende Begriffe und Phänomene hypnotischer Trance. Wissenschaftliche Erklärungsmodelle und die klinische Anwendung werden ebenso behandelt wie Indikationen, Kontraindikationen, verbreitete Mythen und Fragen der Sicherheit. In praktischen Übungen werden einfache kooperative Tranceinduktionen und die zuverlässige Reorientierung erprobt. Erste Erfahrungen mit Selbsthypnose veranschaulichen, wie hypnotische Verfahren Selbstwirksamkeit fördern können.
Ausführliche Seminarbeschreibung
Inhalt
Das Seminar führt in die historischen, theoretischen und klinischen Grundlagen der Hypnose und Hypnotherapie ein. Die Entwicklung von frühen hypnotischen Ritualen und klassischer Suggestivhypnose bis zur kooperativen, ressourcenorientierten Hypnotherapie nach Milton H. Erickson wird in ihren wesentlichen Linien dargestellt. Dabei werden Ericksons anthropologische Prämissen, sein konstruktivistisches und kompetenzorientiertes Menschenbild sowie die Bedeutung von Utilisation, Nichtwissen, Individualisierung und Selbstorganisation für die therapeutische Praxis erläutert.
Hypnose wird als Verfahren und hypnotische Trance als veränderte Form der Aufmerksamkeits-, Vorstellungs- und Erlebnisorganisation beschrieben. Zentrale Trancephänomene werden anhand klinischer Beispiele veranschaulicht und von Schlaf, Entspannung, Meditation, Dissoziation im psychopathologischen Sinn und alltagsnahen Absorptionszuständen unterschieden. Unterschiedliche wissenschaftliche Erklärungsmodelle, individuelle Unterschiede in Hypnotisierbarkeit und die aktuelle Evidenz zur klinischen Anwendung werden in Grundzügen behandelt.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Aufklärung, Indikationen, Kontraindikationen und Grenzen. Verbreitete Mythen zu Willenlosigkeit, Kontrollverlust, Erinnerungsgenauigkeit und Bühnenhypnose werden kritisch eingeordnet. Die Teilnehmer*innen lernen, Erwartungen transparent zu klären, Einwilligung einzuholen und eine sichere Rahmung zu gestalten. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Beobachtung von Überforderung, unerwarteten Reaktionen und der zuverlässigen Reorientierung.
Im praktischen Teil werden einfache, kooperative Tranceinduktionen erprobt. Vorstellung, Aufmerksamkeit, Sprache, Körperwahrnehmung und vorhandene Reaktionen werden für die Tranceentwicklung genutzt. Utilisation wird zunächst als Grundhaltung vermittelt: Was Patient*innen mitbringen – Sprache, Werte, Weltbild, Erwartungen, Skepsis, Körperhaltung oder spontane Reaktionen – kann respektvoll aufgegriffen und für ein passendes therapeutisches Angebot verwendet werden. Eine erste kurze Form der Selbsthypnose und der eigenständigen Reorientierung unterstützt den Transfer und das Verständnis von Hypnose als Förderung von Selbstwirksamkeit.
Zentrale Schwerpunkte
- •Geschichte, Grundmodelle und wissenschaftliche Einordnung von Hypnose
- •Erickson’sche Grundhaltung, Utilisation und Selbstorganisation
- •Trance und zentrale Trancephänomene
- •Indikationen, Kontraindikationen, Mythen, Aufklärung und Sicherheit
- •einfache kooperative Induktionen, Reorientierung und erste Selbsthypnose
Lernergebnisse (Learning Outcomes)
Nach Abschluss des Seminars können die Teilnehmer*innen die folgenden Kompetenzen in angeleiteten Übungen, Fallvignetten und Reflexionssequenzen zeigen:
Fachlich-kognitive Kompetenzen | Erinnern, Verstehen, erstes Anwenden
- •die historische Entwicklung von Hypnose und Hypnotherapie in Grundzügen wiedergeben und Ericksons Ansatz von autoritärer Suggestivhypnose unterscheiden;
- •Grundbegriffe wie Hypnose, Trance, Suggestion, Trancephänomen, Hypnotisierbarkeit und Utilisation fachlich erklären;
- •wesentliche Indikationen, Kontraindikationen, Risiken und Grenzen einfacher hypnotischer Interventionen benennen und auf kurze Fallvignetten beziehen;
- •gängige Mythen zu Kontrollverlust, Willenlosigkeit und Erinnerungsgenauigkeit anhand wissenschaftlicher und klinischer Argumente einordnen;
- •eine einfache hypnotische Sequenz hinsichtlich Vorbereitung, Induktion, Nutzung und Reorientierung strukturieren.
Klinisch-praktische Kompetenzen | handlungsorientiert und beobachtbar
- •eine kurze, transparente Aufklärung über Ziel, Ablauf und Freiwilligkeit einer Übung geben;
- •eine einfache, kooperative Tranceinduktion unter Anleitung durchführen und vorhandene Reaktionen utilisieren;
- •beobachtbare Trancezeichen wahrnehmen, ohne sie als zwingenden Beweis für eine bestimmte „Trancetiefe“ zu interpretieren;
- •eine Trance sicher beenden, Orientierung überprüfen und eine kurze Nachbesprechung gestalten;
- •eine einfache Selbsthypnoseübung anleiten und Hinweise für eine sichere eigenständige Anwendung geben.
Professionell-affektive und relationale Kompetenzen | Wahrnehmen und Reagieren
- •Äußerungen von Skepsis, Unsicherheit oder unterschiedlichen Erwartungen aufmerksam aufnehmen und respektvoll beantworten;
- •in Übungen sichtbar transparent, kooperativ und autonomiefördernd kommunizieren;
- •individuelle Reaktionen wertfrei wahrnehmen und auf Leistungsdruck oder die Erwartung eines „richtigen“ Tranceerlebens verzichten;
- •eigene Faszination, Unsicherheit oder Kontrollimpulse reflektieren und Rückmeldung zur Anpassung des Vorgehens nutzen.
Lehr- und Lerndesign
Das Seminar folgt dem gemeinsamen kompetenzorientierten Grunddesign des Curriculums: Fachinput, Demonstration, angeleitete Selbsterfahrung, praktische Übung in Dyaden oder Triaden, strukturierte Beobachtung, Feedback und Transfer auf klinische Situationen. Theorie und Praxis werden fortlaufend miteinander verschränkt.
- •historischer und wissenschaftlicher Orientierungsinput mit Mythencheck;
- •Demonstration einer einfachen Induktion mit kommentierter Prozessanalyse;
- •Triadenübung zu Aufklärung, Induktion, Utilisation und Reorientierung;
- •kurze Selbsterfahrung zu fokussierter Aufmerksamkeit und Selbsthypnose;
- •Fallvignetten zu Indikation, Kontraindikation und sicherer Rahmung.
Formative Kompetenzüberprüfung und Lerntransfer
Die Kompetenzüberprüfung erfolgt formativ, ohne Benotung und ohne zusätzliche Abschlussprüfung. Sie dient dazu, den individuellen Lernstand sichtbar zu machen, konkrete nächste Lernschritte abzuleiten und die Teilnehmer*innen auf die Anwendung unter Supervision vorzubereiten.
- •Beobachtung einer kurzen Induktions- und Reorientierungssequenz anhand eines Kriterienbogens;
- •mündliche Einordnung einer Fallvignette mit Begründung von Indikation oder Zurückhaltung;
- •kurze schriftliche Reflexion zu eigener Haltung, Erwartungen und nächsten Übungsschritten.
Regelung zur Anwesenheit
Für die Ausstellung einer Teilnahmebestätigung ist die Anwesenheit während des gesamten Seminars erforderlich. Eine Abwesenheit im Umfang von höchstens zwei Ausbildungseinheiten zu je 45 Minuten, insgesamt somit höchstens 90 Minuten, ist zulässig. Verspätetes Erscheinen, vorzeitiges Verlassen und vorübergehende Abwesenheiten werden zusammengerechnet und im Rahmen der Anwesenheitsdokumentation erfasst.
Bei einer darüber hinausgehenden Abwesenheit kann für das Seminar keine Teilnahmebestätigung ausgestellt werden. Eine Kompensation durch Ersatzleistungen, schriftliche Arbeiten, zusätzliche Supervision oder den nachträglichen Besuch einzelner Seminarteile ist nicht möglich. Das Seminar ist im nächsten angebotenen Curriculum vollständig zu wiederholen.
Literaturempfehlung
- •Revenstorf, D., Peter, B. & Rasch, B. (Hrsg.) (2023). Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin. Manual für die Praxis (4. Aufl.). Springer. Besonders relevant: Kap. 1 Einführung; Kap. 2 Geschichte; Kap. 3 Trance und Ziele; Kap. 4 hypnotische Phänomene; Kap. 8 Kontext und Wirkung von Suggestionen; Kap. 9 Hypnotisierbarkeit; Kap. 10 Kontraindikationen und Willenlosigkeit; Kap. 11 klassische Hypnoserituale; Kap. 56 Wirksamkeit; Kap. 57 neurowissenschaftliche Befunde.
- •Skript zum Seminar B1.
Herr Mag. Stefan Wiesel, MSc.
Mag. Stefan Wiesel, BSc. MSc. ist eingetragener Psychotherapeut (Verhaltenstherapie) und Psychologe in Wien. Seine therapeutischen Schwerpunkte umfassen neben der Verhaltenstherapie insbesondere die klinische Hypnose und Hypnotherapie nach Milton H. Erickson sowie schema-, ego-state- und teile-orientierte Ansätze. Neben seinem Studium der Psychologie absolvierte er ein Studium der Betriebswirtschaftslehre. Er verfügt über mehrjährige Lehr- und Vortragserfahrung an Universitäten und Fachhochschulen im In- und Ausland. In seiner therapeutischen Arbeit verbindet er wissenschaftlich fundierte Methoden mit einer ressourcenorientierten, individuellen und wertschätzenden Haltung. Im Mittelpunkt stehen die Förderung persönlicher Entwicklung, die Erweiterung von Handlungsspielräumen und die Aktivierung vorhandener Ressourcen.
Seminar auf einen Blick
| Datum | 02.04.2027 – 03.04.2027 |
| Ort | Milton Erickson Gesellschaft Austria Josefstädter Straße 11/24 1080 Wien |
| Preis | EUR 340,00 – 420,00 MwSt inkl. |
| Freie Plätze | 15 |
| Anmeldeschluss | 01.04.2027 23:55 |
Seminarzeiten und Ablauf
| Datum | Zeit | Beschreibung |
|---|---|---|
| 02.04.2027 | 14:00 – 20:30 | Tag 1 - Einführung in die klinische Hypnose & Hypnotherapie |
| 03.04.2027 | 09:00 – 17:30 | Tag 2 - Einführung in die klinische Hypnose & Hypnotherapie |
