Milton Erickson

Milton Hyland Erickson wurde am 5. Dezember 1901 geboren. Im Alter von fünf Jahren zog seine Familie nach Lowell, Wisconsin, wo er die Grundschule besuchte und anschließend die Highschool im nahen Wishfield. Er litt an Legasthenie, die er offenbar dadurch überwinden konnte, indem er übte, schwierige Buchstaben in Halluzination vor sich zu sehen.

Kurz nach Abschluss der Highschool erkrankte Erickson 1919 an Kinderlähmung. Die Folge war eine vollkommene Lähmung. Bewegungsunfähig saß er später in einem Schaukelstuhl. Der intensive Wunsch aus einem Fenster zu schauen führte dazu, dass sich der Schaukelstuhl leicht bewegte. Dieses Erlebnis motivierte ihn weiter zu üben. Durch weitere halluzinative Vorstellungen erreichte er es, dass seine gelähmten Muskeln wieder reinnerviert wurden.

Nach knapp einem Jahr konnte er auf Krücken gehen und besuchte die Universität von Wisconsin. Entgegen dem ärztlichen Rat, sich auszuruhen, begab er sich jedoch auf einen inzwischen legendären 1.200 Meilen langen Kanu-Trip auf dem Mississippi. Dabei erreichte er wieder eine enorme körperliche Stärke. Zwei Jahre später konnte er wieder ohne Krücken gehen, lediglich ein Hinken auf der rechten Seite blieb.

Im zweiten Jahr auf der Universität kam er in den Kontakt mit Hypnose. Er war fasziniert von den Möglichkeiten, übte unentwegt, erarbeitete unterschiedliche Techniken und erforschte die Beeinflussbarkeit von Menschen. Im Gegensatz zu der damals vorherrschenden Lehrmeinung, entwickelte Erickson individualisierbare Methoden.

1928 schloss er sein Studium mit dem Master of Arts (M.A.) in Psychologie und Doktor der Medizin (M.D.) ab.
1930 bis 1934 hatte er verschiedene Positionen bis hin zum leitenden Psychiater des Worcester State Hospital in Massachusetts inne. Hier konnte er weiter an der Hypnose und ihren Einsatzmöglichkeiten forschen.
1935 wurde die erste Ehe, aus der drei Kinder hervorgingen, geschieden. Kurze Zeit später lernte er seine spätere Frau Betty kennen. Die Hochzeit war 1936. Aus dieser Ehe gingen weitere fünf Kinder hervor.
1939 erhielt er die Approbation als Facharzt für Psychiatrie.
1934 bis 1948 hatte er eine ordentliche Professur für Psychiatrie an der medizinischen Fakultät der Wayne State Universität in Detroit, Michigan.
1947 zog er sich eine Verletzung nach einem Fahrradsturz zu. Wegen der Gefahr einer Tetanusinfektion und trotz seiner bekannten allergischen Reaktion auf den Impfstoff, ließ sich Erickson impfen. Die Folge war ein anaphylaktischer Schock, den er nur knapp überlebte. In dessen Folge bekam er eine schwere Allergie gegen Pollen, die ihn zum Umzug in das mildere Klima von Phoenix, Arizona zwang, wo er eine private Praxis eröffnete. Es traten weitere Allergien gegen Hausstaub und verschiedene Lebensmittel auf. Er betrieb deshalb seine Praxis direkt von Zuhause aus.
1953 erkrankte er am Post-Polio-Syndrom. Er zog nach Maryland. Soweit es ihm möglich war, setzte er jedoch seine bis dahin umfangreichen schriftstellerischen Tätigkeiten und Vortragsreisen fort. In dieser Zeit arbeitete er intensiv mit Jay Haley, Gregory Bateson, Margaret Mead, Lawrence Kubie und John Weakland zusammen.
1957 gründete Erickson die “Amerikanische Gesellschaft für Klinische Hypnose” (ASCH), deren Vorsitz er übernahm.
1958 gründete er das “American Journal of Clinical Hypnosis”, das er bis 1968 herausgab.
Wegen seines sich zunehmend verschlechternden Gesundheitszustands gab er 1969 seine Vortrags- und Reisetätigkeiten auf; 1974 gab er auch seine private Praxis auf.
1976 erkrankte er ein drittes Mal an Kinderlähmung, mit Muskelschwund und multiplen Schmerzzuständen. Danach war er auf einen Rollstuhl angewiesen und im Gesicht halbseitig gelähmt.
Am 25. März 1980 starb Milton Erickson in seinem Haus in Phoenix.

Quellen:
Wikipedia, Milton H. Erickson
Jay Haley, Milton H. Erickson: A Brief Biography aus: Jay Haley on Milton H. Erickson by Jay Haley
Jeffrey K. Zeig (Hrsg.), Meine Stimme begleitet Sie überall hin. Ein Lehrseminar von Milton H. Erickson,
Klett-Cotta 2006