Psychologische Interventionen setzen auf unterschiedlichen Ebenen an, so wie medizinische Therapie auf verschiedenen Körperebenen ansetzt (humoral, zellulär, organisch, systemisch usw.), oder die physiotherapeutischen Maßnahmen am Skelettapparat, der Muskulatur oder verschiedenen Gewebsschichten des Körpers ansetzen. Psychotherapie kann sich mit der Handlungsebene befassen (etwa in übenden Verfahren oder in-vivo-Expositionen) oder mit den verschiedenen Ebenen der Informationsverarbeitung (rational, imaginativ, emotional, vorbewußt oder unbewußt). Darüber hinaus können psychologische Interventionen auf den interpersonalen Ebenen der Paarbeziehung, der Familie, der sozialen Gruppe, der Organisation, der Gemeinde usw. angesiedelt sein (Revenstorf, 1991b).

Die intrapersonalen Psychotherapieansätze zur Informationsverarbeitung ergänzen die handlungsorientierten Vorgehensweisen. Mit den kognitiven Interventionen des argumentativen Disputs, der Selbstinstruktion oder Umstrukturierung, wird der sprachlich-rationale Zugang gewählt. Bei den affektorientierten Interventionen (Experiencing, Zweistuhl-Technik) steht der emotional-motivationale Zugang im Vordergrund. Bei der Hypnose und verwandten Verfahren dagegen wird der Zugang über die vorbewußte Informationsverarbeitung genutzt. Einzelne Therapieschulen arbeiten zwar oft auf mehreren Ebenen, aber akzentuieren meist eine davon sowohl zur Problemdarstellung als auch bei der therapeutischen Intervention. Verhaltenstherapie sucht traditionell den handlungsorientierten, kognitive Therapie den argumentativen, Gestalttherapie den emotionalen Zugang und Psycholanalyse sowohl den argumentativen (Reflexion), wie den unbewußten Zugang (Traumdeutung, freie Assoziation).

Die Hypnotherapie bevorzugt den vorbewußten Zugang, den die Trance bietet. Dafür gibt es mehrere Gründe. Die hypnotische Trance umgeht die Analyse anhand expliziter Maßstäbe – auch wenn die Sprache als Vehikel verwendet wird. Sie ist jedoch nicht Instrument der Bewertung sondern Instrument der assoziativen Stimulation. Häufig werden auf diese Weise Vorstellungen ausgelöst oder die Kommunikation ist so angelegt, daß die verbalen Informationen als Metaphern mit ambivalenter und multipler Bedeutung dienen.

Autoren:
Dirk Revenstorf, Dr.rer.soc., Dipl.-Psych., unter Mitarbeit von
Dipl.-Psych. Uwe Prudlo, Psychologisches Institut der Universität Tübingen
Juni 1993